
"Der lange Weg zur richtigen Diagnose" - Erfahrungsbericht

Die Diagnose des Morbus Bechterew habe ich erst relativ spät bekommen, als meine Beschwerden bereits 5 Jahre bestanden. Sie machten sich erstmals bemerkbar als ich 18 Jahre alt war. Es fing zunächst mit punktuell, stechenden Schmerzen im Bereich der Rippen an. Auch konnte ich zeitweise schlecht atmen aufgrund der Rippenschmerzen auf der linken Brustkorbseite. Ich dachte, es wären Rippenprellungen bedingt durch meinen Sport und kümmerte mich nicht weiter darum.
Nach dem Abitur habe ich im Rahmen meines Zivildienstes im Krankenhaus gearbeitet, wo ich auch schwer heben und tragen musste. Durch diese Tätigkeit habe ich dann auch noch Schmerzen im Kreuz, also in der Lendenwirbelsäule, bekommen. Der Arzt stellte eine Skoliose (Wirbelsäulenverkrümmung) fest. Dies wurde auf meine jahrelangen sportlichen Aktivitäten zurückgeführt und daher nicht als Alarmzeichen bewertet. Im Pflegedienst bekam ich glücklicherweise leichtere Arbeiten zugewiesen.
Während meines anschließenden Studiums nahmen meine Atembeschwerden weiter zu, sowohl an Intensität als auch an Häufigkeit. Mein Schlaf wurde immer öfter durch Schmerz unterbrochen. Manch eine Vorlesung wurde wegen der resultierenden Müdigkeit verpasst. Erst ein Jahr später, als auch andere Gelenke schmerzten, konsultierte ich einen Arzt. Zusätzlich machten die Hüfte und der Hals erhebliche Probleme. Ich bekam Spritzen gegen die Schmerzen und dies half zunächst.
Als ich es jedoch nach einiger Zeit vor anhaltenden Schmerzen nicht mehr aushielt, suchte ich wieder einen Arzt auf. Von meinem Umfeld wurde ich bereits auf eine leicht nach vorn gebeugte Körperhaltung angesprochen - ich selbst hatte die Veränderung gar nicht bemerkt. Ich wurde geröntgt und mein Blut wurde auf HLA-B27 untersucht.
Mein Beschwerdebild, zusammen mit den Befunden (HLA-B27 positiv, Röntgen, Computertomographie und Entzündungszeichen im Blut) führten fünf Jahre nach erstmaligem Auftreten meiner Symptome zur Diagnose eines Morbus Bechterew. Eine Einsteifung, die gefürchtete Ausprägung von Morbus Bechterew, also eindeutige knöcherne Spätveränderungen der Wirbelsäule waren glücklicherweise noch nicht vorhanden.
Heute bin ich in Behandlung und nahezu beschwerdefrei. Die Medikamente und die regelmäßigen Übungen haben mir sehr dabei geholfen, meine Beweglichkeit wieder zu bekommen. Meine Körperhaltung ist fast wieder normal.
Für mich ist das eine Art Neuanfang. Wenn man mit Anfang 20 mit solch einer Krankheit konfrontiert wird und über fünf Jahre lang starke Schmerzen ertragen musste, dann bedeutet eine verlässliche Diagnose und eine effektive Behandlung einen wirklichen Schub an Lebensqualität. Rückblickend wäre es wünschenswert gewesen, wenn ich die Symptome nicht leichtfertig abgetan hätte, sondern intensiver nach der Ursache gefahndet hätte. Möglicherweise wäre ich dann schon länger schmerzfrei und mein Studium hätte nicht darunter gelitten. Jetzt macht es wieder Spaß morgens schmerzfrei zur Uni zu gehen und das zahlt sich aus: Meine Abschlussprüfungen stehen kurz bevor.


