
Wussten Sie schon?
In Deutschland sind etwa 450.000 Menschen an Morbus Bechterew erkrankt, das bedeutet etwa einer von 180 Bundesbürgern.
Morbus Bechterew mit Medikamenten behandeln
Morbus Bechterew: Medikamentöse Therapie
Je nach Schweregrad und Verlauf der Erkrankung stehen für die Therapie des Morbus Bechterew folgende Gruppen von Medikamenten zur Verfügung:
- NSAR - nichtsteroidale Antirheumatika (=kortisonfreie Antirheumatika)
- TNFα-Blocker
- Glukokortikoid-Präparate
- Basistherapeutika (bei peripherer Gelenkbeteiligung)
- Analgetika
Ihr behandelnder Arzt wird Sie über die verschiedenen medikamentösen Therapiemöglichkeiten und eventuell auftretende Nebenwirkungen aufklären.
NSAR
Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), spielen bei der Behandlung von Morbus Bechterew eine zentrale Rolle. Die Wirkung der NSAR auf die Morgensteifigkeit und Schmerzen an der Wirbelsäule und den Gelenken sind gut belegt. Die Beschwerden lassen sich damit in der Regel deutlich bessern - allerdings nur, solange die Medikamente regelmäßig und in ausreichend hoher Dosierung genommen werden. Dennoch ist die Therapie mit NSAR häufig nicht ausreichend. Etwa jeder zweite Patient mit Morbus Bechterew leidet trotz Behandlung mit NSAR weiterhin an Schmerzen - das Therapiekonzept muss in diesem Fall entsprechend angepasst werden.
TNFα-Blocker (Biologics)
Die Erkenntnisse über die Vorgänge bei verschiedenen entzündlichen Erkrankungen bildeten den Schlüssel für die Entwicklung neuer, gezielt wirkender Medikamente.
Da diese Medikamente ganz spezifisch in bestimmte biologische Vorgänge eingreifen und selbst natürlichen Stoffgruppen nachempfunden werden (z.B. Antikörper), bezeichnet man sie als biologische Substanzen, Biologics (engl.) oder Biologika.
Die so genannten TNFα-Blocker, die auch zu den Biologics zählen, wirken über das Immunsystem des Körpers und blockieren den körpereigenen, aber bei der Erkrankung im Überfluss produzierten Botenstoff Tumornekrosefaktor alpha (TNFα). So können Mechanismen gestoppt werden, die Entzündungen verursachen und verstärken. Es kann zu einer schnellen Linderung der Schmerzen kommen und die Beweglichkeit der Wirbelsäule sowie die allgemeine Leistungsfähigkeit können maßgeblich gebessert werden.
TNFα-Blocker können ebenfalls positiv auf andere Erkrankungen wie Plaque-Psoriasis (Schuppenflechte) und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitits ulcerosa) wirken.
Glukokortikoid-Präparate
Glukokortikoid-Präparate, auch unter den Bezeichnungen Steroid- oder Kortison-Präparate bekannt, sind entzündungshemmende Medikamente. Sie werden überwiegend lokal im Gelenkspalt oder zur kurzfristigen Therapie akuter Schübe eingesetzt. Eine Dauertherapie mit Glukokortikoid-Präparaten ist bei Morbus Bechterew jedoch nicht geeignet. Insbesondere bei der Beteiligung der Wirbelsäule wären für einen Therapieerfolg sehr hohe Dosierungen erforderlich, die bei längerer Anwendung mit unvertretbaren Nebenwirkungen einhergehen können.
Liegt eine Entzündung der Regenbogenhaut des Auges vor, ist die äußerliche Anwendung von Glukokortikoid-Präparaten eine sehr wichtige Therapiemaßnahme.
Basistherapeutika
Bislang konnte nicht bewiesen werden, dass Basistherapeutika bei Patienten mit alleiniger Beteiligung der Wirbelsäule eine angemessene Wirkung haben.
Nur wenn eine Entzündung peripherer (d.h. an den Gliedmaßen befindlicher) Gelenke im Vordergrund steht, wird die Gabe so genannter Basistherapeutika bei Morbus Bechterew empfohlen.
Analgetika
Analgetika, reine Schmerzmittel, wirken auf das Symptom "Schmerz" und haben keinen Einfluss auf die zugrunde liegende Entzündung. Weitere typische Symptome der Erkrankung, wie z.B. Morgensteifigkeit, Gelenkschwellungen oder Entzündungen der Sehnen bleiben durch die alleinige Gabe von Analgetika unbeeindruckt bestehen. Ferner wird der weitere Verlauf von Morbus Bechterew nicht positiv beeinflusst.
Wenn die Beschwerden nicht auf eine Entzündung, sondern auf Muskelverspannungen oder Osteoporose zurückzuführen sind, können Analgetika möglicherweise wirksamer sein als NSAR.
Ist Ihre Therapie die richtige?
Morbus Bechterew äußert sich bei jedem Patienten unterschiedlich. Unterstützten Sie Ihren behandelnden Arzt, indem Sie Ihren Körper und Ihre Symptome genau beobachten. Wie verändern sich die Symptome durch Ihre aktuelle Therapie? Werden die Schmerzen gelindert? Fühlen Sie sich leistungsfähiger? Oder haben Sie den Eindruck, dass sich die Krankheit verschlechtert? Nutzen Sie das "Symptom-Barometer" (Online-Kalender) zur Dokumentation Ihres Befindens.
Auf diese Weise können Sie zusammen mit Ihrem behandelnden Arzt feststellen, wie gut Sie auf die Behandlung ansprechen oder ob eine individuelle Anpassung nötig sein könnte. Sprechen Sie ganz offen über Ihr Befinden - nur so kann Ihr Arzt herausfinden, ob Ihre Therapie die richtige für Sie ist.
Was passiert ohne Behandlung?
Morbus Bechterew ist eine progressive Erkrankung, das heißt, dass sie sich unbehandelt mit ziemlicher Sicherheit verschlimmert. Durch den immer wiederkehrenden Entzündungsprozess kann sich die Wirbelsäule versteifen, was zu Bewegungseinschränkungen führen kann. Zudem kann die Krankheit auch andere Gelenke oder Organe betreffen.
Für Patienten mit Morbus Bechterew stehen heute gut wirksame Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, so dass Symptome wie starke Schmerzen, Steifigkeit und andauernde Müdigkeit weitestgehend verhindert werden können. Moderne Therapeutika greifen direkt in das Entzündungsgeschehen ein und bekämpfen so die Ursache dieser Krankheitszeichen.
Beobachten Sie Ihre Symptome
Unterstützen Sie Ihren behandelnden Arzt bei der Wahl der für Sie am besten geeigneten Therapie, indem Sie ihm Ihre Symptome so genau wie möglich schildern. Möglicherweise werden Ihnen folgende Fragen gestellt:
- Fühlen Sie sich häufig müde?
- Hatten Sie während der letzten Wochen Rückenschmerzen?
- Schmerzt der gesamte Rücken oder lassen sich die Schmerzen genauer lokalisieren?
- Wie lange halten die Rückenschmerzen am Morgen normalerweise an?
- Haben Sie Probleme beim Atmen?
Bei regelmäßigen Untersuchungen wird Ihr Rheumatologe prüfen, wie sehr Ihr Morbus Bechterw unter Kontrolle ist und ob sich Ihre körperliche Funktionsfähigkeit verbessert hat. Helfen Sie Ihrem Rheumatologen, Ihnen zu helfen. Verwenden Sie regelmäßig das "Symptom-Barometer" zur Dokumentation Ihres Befindens.
Nutzen Sie diesen Fragebogen, um Ihre Symptome immer wieder über einen längeren Zeitraum zu beobachten. Das wird Ihnen bei den Gesprächen mit Ihrem Arzt helfen.




